Regionale Superfoods

Heimische Alternativen zu den exotischen Nährstoffwundern
02. September 2020
by Frederike Fink

Regionale Superfoods sind günstiger und weniger schädlich für die Umwelt. Fast alle haben eine ebenso gute Nährstoffbilanz wie ihre exotischen Pendants. 


Inhaltsverzeichnis

1. Was sind Superfoods? 

2. Welche regionalen Superfoods bieten Alternativen?

3. Warum sind regionale Superfoods die bessere Wahl? 



verschiedene Beeren, Samen, Nüsse und Pulver werden als Superfoods bezeichnet - Copyright © 2020 - DAK-Gesundheit



Was sind Superfoods? 

Unter dem nicht geschützten Begriff Superfood werden verschiedenste natürliche Lebensmittel gesammelt. Diese sollen im Vergleich zu anderen Lebensmitteln durch ihren hohen Gehalt bestimmter Nährstoffe einen besonderen gesundheitlichen Nutzen aufweisen. Die Bezeichnung dieser Lebensmittel ist dabei weder durch das Lebensmittelrecht definiert, noch ist die Wirkung der Inhaltsstoffe bei allen Lebensmitteln eindeutig bewiesen. Es handelt sich hierbei also vor allem um einen Marketingbegriff, der in der Werbesprache versucht, bestimmte Lebensmittel als besonders wertvoll oder außergewöhnlich zu kennzeichnen. 


Verschiedene Arten von Früchten, Beeren und Samen finden sich unter dem Begriff Superfood zusammen. In den meisten Fällen haben sie eines gemeinsam: Fast alle dieser Lebensmittel werden aus Übersee importiert. Zu den gängigsten Superfoods zählen Chiasamen, Goji-Beeren, Acai-Beeren, Avocado, Quinoa, Acerola, Moringa, Ingwer und Kurkuma.  



exotische Superfoods - Copyright © 2020 - iStock-baibaz



Warum sind regionale Superfoods die bessere Wahl? 

Die exotischen Früchte, Beeren, Nüsse und Samen, die sich hinter dem Begriff Superfood verbergen sind buchstäblich in aller Munde. Seit einigen Jahren verzeichnet die Lebensmittelbranche einen deutlichen Trend und steigende Verkaufszahlen. Was für die Produzenten dieser Lebensmittel zu Umsatzsteigerungen führt, bedeutet für die Natur weitere Einbuße. 


Nur wenige Superfoods kommen mit unserem Klima zurecht und müssen daher von weither transportiert werden. So stammen beispielsweise Açaí-Beeren aus den Regenwäldern des Amazonas, Chia-Samen, Quinoa und Acerola kommen aus Mexiko und Zentralamerika. Der Anbau in diesen Regionen und eine weltweite Vermarktung tragen durch weitere Abholzung der Regenwälder und lange Transportwege weiter zum Klimawandel bei.


Aufgrund der langen Transportwege  bekommt man die Früchte selten frisch, sondern meist getrocknet, als Saft oder stark verarbeitet als Pulver oder in Kapselform. Der Nährstoffgehalt sinkt dadurch meist und die Verarbeitung ist energieintensiv. Die Kosten für die exotischen Lebensmittel sind durch lange Transportwege und intensive Vermarktung deutlich höher als die Kosten für regionales Obst und Gemüse.


Der Einsatz von Pestiziden ist im Anbau dieser Lebensmittel durchaus üblich und belastet die Nährstoffwunder mit Schadstoffen.  Ein oft hoher Bedarf an künstlicher Bewässerung und intransparente Arbeitsbedingungen vor Ort tragen des weiteren dazu bei, dass exotische Superfoods im Vergleich zu regionalen Alternativen nicht nur ökonomisch sondern auch ökologisch und sozial fragwürdig sind. 


Welche regionalen Superfoods bieten Alternativen? 

Einige Gründe sprechen also dafür, heimische Lebensmittel den exotischen Superfoods vorzuziehen: Sie entlasten den Geldbeutel und sind besser für die Umwelt. Doch welche heimischen Alternativen bieten sich für die beliebten exotischen Superfoods an?


Leinsamen statt Chiasamen

Chiasamen werden für ihren hohen Gehalt an Protein und Omega-3-Fettsäuren als Superfood bezeichnet. Leinsamen toppen diese Werte jedoch noch. Und auch hinsichtlich Ballaststoffen stehen Leinsamen den Chiasamen in nichts nach. Beim Kauf sollte man lediglich auf die Herkunft der Leinsamen achten: Neben Leinsamen aus europäischem Anbau steht häufig Importware aus asiatischen Ländern. 


Schwarze Johannisbeeren und Sanddorn statt Goji-Beeren

Goji-Beeren gelten aufgrund ihres hohen Vitamin C-Gehalts als wahre Wunderfrucht. Doch heimische Beeren können sehr gut mit der exotischen Variante mithalten. Schwarze Johannisbeeren oder Sanddornbeeren enthalten nicht nur mehr Vitamin C, sie sind auch deutlich preiswerter als Goji-Beeren. Zudem werden die heimischen Alternativen als frische Ware oder Saft angeboten. Goji-Beeren hingegen sind meist nur getrocknet erhältlich.


Heidelbeeren statt Açai-Beeren

Açai-Beeren gelten vor allem aufgrund des hohen Gehalts an Anthocyanen als Superfood. Anthocyane sind blaue Pflanzenfarbstoffe, die den Körper vor schädigenden Oxidationsprozessen schützen können. Aber auch heimische blaue und violette Obst- und Gemüsearten enthalten große Mengen der Pflanzenfarbstoffe. Reich an Anthocyanen sind zum Beispiel Heidelbeeren, Holunderbeeren, blaue Trauben oder Rotkohl.


Walnüsse statt Avocado

Avocados werden wegen ihres hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren als Superfood angepriesen. Ungesättigte Fettsäuren können das Herz-Kreislaufsystem positiv beeinflussen und so zum Beispiel das Herzinfarkt-Risiko senken. Eine gute Alternative zu der Frucht mit extrem hohen Wasserverbrauch bieten Walnüsse. Diese haben einen höheren Gehalt an der einfach ungesättigten Fettsäure Ölsäure sowie an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Hinzu kommt, dass Walnüsse sehr gut in Deutschland wachsen können und lange lagerfähig sind. 


Hirse statt Quinoa

Quinoa ist eine attraktive Proteinquelle, da der Körper das Eiweiß gut in körpereigenes Protein umwandeln kann. Außerdem enthält Quinoa für ein pflanzliches Lebensmittel viel Eisen. Eine Alternative zu der aus den Anden importierten Körnerpflanze ist die Hirse. Auch diese ist reich an Protein und Eisen und ebenso wie Quinoa glutenfrei. Sie wächst zudem in Europa, unter anderem in Deutschland.


Hagebutte statt Acerola

Die aus Süd- und Zentralamerika stammende Frucht wird auf Grund ihres hohen Vitamin-C Gehalts als Superfood bezeichnet. Die Vitamin-C-Bombe soll das Immunsystem ankurbeln, Stoffwechsel und Diäten unterstützen und Anti-Aging-Effekte haben. Die dünne Schale und der schnelle Reifeprozess führen allerdings dazu, dass die Acerola nur verarbeitet verwendet werden kann. Die Hagebutte ist ebenso wie der Sanddorn eine reichhaltige, regionale Vitamin-C-Quelle. Die roten Früchte der Wildrosenbüsche reifen im Herbst und können entweder roh verzehrt oder verarbeitet werden. Bei der Zubereitung sollte man beachten, dass Vitamin-C hitzeempfindlich ist. Am besten isst man die Hagebutte also Roh oder verarbeitet sie kalt. 


Grünkohl und Karotten statt Moringa 

Der Moringa-Oleifera-Baum mit seinen wertvollen Blättern kommt ursprünglich aus dem Himalaya. Inzwischen wächst er vor allem in Ländern Afrikas, Arabiens, Südostasiens und auf den karibischen Inseln. Komplett erforscht sind die einzelnen Bestandteile dieser als Superfood gehandelten Pflanze noch nicht. Sicher sind aber der besonders hohe Anteil an Vitamin A, C, E und K. Hinzu kommen Eisen, Kalium, Kalzium und Antioxidantien. Eine gute Alternative zu dem weit gereisten Pulver der Moringablätter ist der Grünkohl. In der traditionell norddeutschen Variante mit Schmalz und Speck käme man wohl nie auf die Idee, aber Grünkohl ist eine wertvolle Vitamin- und Mineralstoffquelle. Karotten enthalten besonders große Mengen an Beta-Carotin einem sogenannten Provitamin, das der Körper in Vitamin A umwandeln kann.


Ingwer und Kurkuma

Kurkuma wirkt antientzündlich und antioxidativ. Verantwortlich für die heilende Wirkung, ist der Inhaltsstoff Curcumin. Ingwer gilt als Booster für das Immunsystems und enthält viele wertvolle Nährstoffe. Was ihn so besonders macht, sind der hohe Vitamin C Gehalt und die Scharfstoffe. im Ingwer ist Gingerol ist in hoher Konzentration enthalten, was laut zahlreicher Studien zu einer antibakteriellen Wirkung führt. In seinem chemischen Aufbau ähnelt es dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure, der in Medikamenten wie Aspirin und ACC enthalten ist. Diesen beiden Superfoods kann man ohne Probleme im eigenen Garten, auf dem Balkon und der Fensterbank anpflanzen



Superfood Kurkuma aus dem eigenen Garten - Copyright © 2020 - Getty Images Plus

Written by
Frederike Fink
About author: Frederike bereitet klassische Gerichte leidenschaftlich gerne vegan zu. Ihre Favoriten: Kräuterbutter, Bolognese und Karottenkuchen. Sie ist 2014 aus Schleswig-Holstein nach Berlin gekommen, um BWL mit dem Fokus auf Nachhaltigkeitsmanagement zu studieren. Derzeit studiert sie Nachhaltige Unternehmensführung im Master an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Mit Ihrer Arbeit bei Berlin Cuisine möchte sie dazu beitragen, die Veranstaltungsbranche nachhaltiger zu gestalten.

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